Historie des VS

Schon lange vor der Gründung des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) im Jahre 1969 war Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Deutschland die Notwendigkeit einer Organisation zur Durchsetzung ihrer berufspolitischen Interessen bewusst. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Schriftstellervereine gegründet. Im 20. Jahrhundert, mit der Gründung des »Schutzverbands deutscher Schriftsteller (SDS)« im Jahr 1909, schlossen sich zum ersten Mal Autoren zu einem Verband zusammen, der eindeutige gewerkschaftliche Ziele wie zum Beispiel den Abschluss von Tarifverträgen verfolgte.

Diesem Verband gehörte die Mehrzahl der literarisch bedeutenden Autoren in Deutschland an, Thomas Mann und Theodor Heuss waren Präsidenten dieses Schutzverbands der Schriftsteller, der 1933 aufgelöst wurde. Gleich nach 1945 entstanden in den Besatzungszonen wieder regionale Autorenverbände, mit der Festschreibung zweier deutscher Staaten aber entwickelten sich auch die Schriftstellerverbände getrennt.

In der Bundesrepublik kam es 1952 auf Initiative von Theodor Heuss zu einem losen Zusammenschluss der regionalen Verbände, zur »Bundesvereinigung der deutschen Schriftstellerverbände«. Im Jahre 1968 wurde auf der Jahresversammlung der Bundesvereinigung der Schriftsteller Dieter Lattmann zum neuen Präsidenten gewählt, er bereitete den Zusammenschluss der zehn regionalen Schriftstellerverbände, des Verbands deutscher Übersetzer und des Verbands deutscher Kritiker zu einem Gesamtverband vor.

Das Ergebnis dieses Zusammenschlusses ist der heutige VS, der am 8. Juni 1969 in Köln zunächst als »Verband deutscher Schriftsteller e.V.« gegründet wurde. Die Abkürzung VS wurde als Unterscheidung zur damaligen Studentenorganisation VDS gewählt, Heinrich Böll nannte das Ziel: »Ich schlage vor, dass wir die Bescheidenheit und den Idealismus einmal für eine Weile an unsere Sozialpartner delegieren: an Verleger, Chefredakteure und Intendanten.«

1973 fasste der VS den Beschluss, sich der Industriegewerkschaft (IG) Druck und Papier anzuschließen. 1989 ging diese durch Zusammenschluss mit der Gewerkschaft Kunst und ihrer Verbände in der IG Medien auf. Im März 2001 erfolgte der Zusammenschluss von IG Medien und weiteren vier Gewerkschaften (DAG, DPG, HBV und ÖTV) zu der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di).

Im Jahr 1991 gewann der VS etwa 600 Mitglieder aus der DDR dazu, die einzeln in den VS eintraten, nachdem der Deutsche Schriftstellerverband (DSV), der bis März 1990 als Schriftstellerverband der DDR existierte, aufgelöst wurde. Der erste gesamtdeutsche Kongress des Verbands deutscher Schriftsteller in Travemünde im Jahr 1991 beschloss die Gründung einer VS-Geschichtskommission, die sich der Aufarbeitung der Geschichte beider Verbände widmete.

Die VS-Geschichtskommission, zu der auch die langjährige VS-Aktivistin aus Hessen Renate Chotjewitz-Häfner gehörte, gab zwei Publikationen heraus: »Die Biermann-Ausbürgerung und die Schriftsteller« (Verlag Wissenschaft und Politik Claus-Peter von Nottbeck, Köln 1994) und »Verfeindete Einzelgänger« (Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 1997).